“Hayy ibn Yaqdhan” - Ein erhellender Bildungsroman aus Andalusien

von Salim M. Nasereddeen

Das “Traktat des Hayy ibn Yaqdhan” ist ein philosophischer Roman, geschrieben vom andalusischen Philosophen und Gelehrten Abu Bakr Ibn Tufail (1105 - 1185). Das Werk ist in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich, insbesondere, was sein Format angeht. In erzählerischer Weise vollzieht der Autor eine Art Gedankenexperiment, dessen Hauptmotiv (es geht um den Menschen auf einer einsamen Insel) unverkennbar Parallelen zu Daniel Defoes Geschichte vom Leben des Robinson Crusoe aufweist.

Hayy ibn Yaqdhan, wörtlich “Lebender, Sohn des Wachenden”, ist der Name der Titelfigur der Geschichte. Zunächst werden zwei alternative Anfänge für die Erzählung präsentiert, in denen Hayy auf verschiedene Weisen seine Insel erreicht. In der ersten Version ist er ein uneheliches Kind einer Prinzessin, die ihn in einem Korb im Meer aussetzt, sodass er an den Strand der Insel gespült wird. In der zweiten Version entsteht Hayys Körper spontan aus der optimal angeordneten natürlichen Materie auf der Insel und bekommt von Gott den Lebenshauch eingegeben. Gemeinsam ist den Versionen, dass Hany von da an vollkommen frei von irgendwelchen Vorerfahrungen isoliert auf der unbewohnten Insel lebt. Ab hier wird sein Leben in fünf Abschnitten erzählt.

Im ersten Abschnitt wird der Säugling von einer Gazelle aufgezogen bis er sieben Jahre alt ist. Hayy wird sich seiner selbst bewusst, nimmt seine Umgebung bewusst wahr und realisiert auch seine Nacktheit (im Gegensatz zu den fell- oder federnbedeckten Tieren). Er trägt Kleidung aus Blättern und kann sich selbst am Leben erhalten.

Der zweite Abschnitt erzählt von der Zeit bis zum 21. Lebensjahr. Die Gazelle, Hayys “Mutter”, stirbt. Er hat gelernt, Werkzeuge zu nutzen und will der Gazelle helfen. Er öffnet ihren Körper auf der Suche nach einem Schaden. Er ist nun auch in der Lage, rationale Schlüsse auf Grundlage seiner Beobachtung zu tätigen und macht so das Herz als Zentrum und Sitz der Seele, nicht nur der Gazelle, sondern von Lebewesen im Allgemeinen aus. Er erwirbt weitere Kenntnisse über die Welt durch Beobachtungen und Experimente, sowie handwerkliche Fähigkeiten.

Der dritte Abschnitt reicht bis zu seinem 28. Lebensjahr. Hayy kategorisiert seine Umwelt weiter und entwickelt nun auch metaphysische Ansichten. Er unterscheidet zwischen der Form und der Materie der Dinge und bekommt über die Entdeckung der Kausalität eine erste vage Vorstellung von Gott.

Der vierte Abschnitt erzählt von Hayys Leben bis zu seinem 35. Lebensjahr. Er macht sich Gedanken über das Universum als Ganzes und ob es wohl urewig oder endlich sei. In dieser Frage kommt Hayy zu keiner abschließenden Antwort. Er erkennt jedoch, dass in beiden Fällen ein Schöpfer notwendig wäre. Auf diesen Schöpfer und seine Eigenschaften konzentriert sich sein Denken von nun an und er wird somit zum Monotheisten.

Im fünften Lebensabschnitt geht es um die Zeit bis zu Hayys 50. Lebensjahr. Nach der Erkenntnis Gottes reflektiert er über sein eigenes Wesen und gelangt zur systematischen Entwicklung einer eigenen asketisch-philosophischen Ethik. Er erlegt sich Speisegebote auf und praktiziert Rituale zur Gottesverehrung. Letztendlich begibt er sich in tiefe Meditation und erlangt eine Stufe, in der ihm ein mystisches Einswerden mit Gott zuteil wird.

Es schließt sich noch ein weiteres Kapitel an die Schilderung von Hayys Leben an: In der Nähe von Hayys Insel befindet sich nämlich eine bewohnte Insel mit einer Gesellschaft, die einer überlieferten, wahren Offenbarungsreligion folgt. Zwei Männer von dieser Insel werden eingeführt, Salaman und Absal. Salaman folgt streng den äußerlichen Bestimmungen der Religion. Absal vertritt eine innere allegorische Auslegung und praktiziert meditative Zurückgezogenheit. Zu diesem Zwecke bricht dieser auf und verlässt die Insel, wobei er Hayys Insel und ihren einzigen Bewohner entdeckt. Von Absal lernt Hayy zu sprechen und im Austausch stellen die beiden fest, dass ihre Ansichten einander entsprechen. Die autodidaktisch erworbenen Erkenntnisse des Hayy ibn Yaqdhan sind gleichnishaft in der überlieferten Religion wiedergegeben. Die beiden beschließen, zur bewohnten Insel zurückzukehren um die unverhüllte Wahrheit unter den Menschen zu verbreiten. Hierbei stoßen sie jedoch auf Unverständnis und schließlich auf Ablehnung. Sie kommen zu dem Schluss, dass die Allgemeinheit der Menschen nicht zugänglich ist für diese unmittelbare Art der Lehre. Sie widerrufen öffentlich ihre Aussagen und halten die Leute dazu an, weiterhin an der gleichnishaften, aber ebenso wahren Religion festzuhalten. Absal und Hayy kehren auf die einsame Insel zurück und widmen sich der Meditation und Versenkung in Gott, womit die Geschichte endet.

Die Einflüsse auf Ibn Tufails Roman aus der islamischen Ideengeschichte sind zahlreich und umfassen unter anderem die Werke der beiden Philosophen und Gelehrten Abu Nasr Al-Farabi (870 - 950) und Abu Hamid Muḥammad Al-Gazali. Diese Autoren sind der sogenannten formativen Periode der islamischen Ideengeschichte zuzuschreiben. Zu dieser Zeit, die etwa bis in das späte 12. Jh. reicht, prägten besonders griechische antike Texte, die zunehmend ins Arabische übersetzt wurden, das philosophische Denken.

Der Philosoph Al-Farabi wird der „aristotelischen Schule von Bagdad“ zugeschrieben. Auf ihn geht u. a. eine neuplatonisch beeinflusste Emanationslehre über das Sein zurück. Stark an Platons “Politeia” erinnert Al-Farabis umfassende Konzeption einer idealen Stadt in seinem Werk “Die Prinzipien der Ansichten der Bewohner der vortrefflichen Stadt”. Er widmet sich dort insbesondere auch dem Verhältnis zwischen Religion und Philosophie. Das Urteil Al-Farabis begegnet einem im Wesentlichen unverändert in “Hayy ibn Yaqdhan” wieder; nämlich dann, wenn Hayy sich im letzten Kapitel dazu entschließt, mit Absal die bewohnte Insel aufzusuchen, mit der dortigen überlieferten Religion in Konflikt gerät und zur Einsicht darüber kommt, dass sich Philosophie und Religion in Wahrheit decken, die Wahrheit jedoch einmal gleichnishaft und einmal unverhüllt wiedergeben.

Der Theologe und Jurist Al-Gazali ist eher der klassischen sunnitischen Orthodoxie zuzuschreiben und ist für seine scharfe Kritik an der griechisch beeinflussten Philosophie bekannt. In seiner Autobiographie “Der Erretter aus dem Irrtum” entwirft Al-Gazali eine Erkenntnislehre, die zum einen die klassischen islamischen Wissenschaften rechtfertigt und gegen die Angriffe der rationalistischen Philosophie verteidigt; zum anderen aber auch der mystischen Erkenntnis große Bedeutung beimisst. Die mystische Erkenntnis mittels göttlichen Lichts (Nurun min-Allah) gehe laut Al-Gazali fundamental anders vonstatten als das Erkennen mit Hilfe der Ratio und der physischen Sinne. Sie beruhe auf mystischer, intuitiver und unmittelbarer Erfahrung und sei damit in gewisser Weise meta-rational. Vor allem aber werden Erkenntnisse solcher Qualität durch Gott bestimmten Menschen gewährt, sind also kein Ergebnis menschlicher Anstrengung wie systematisches Nachdenken oder Beobachten. Praktisch erreichbar, jedoch nie unter Garantie, sei dieser Zustand durch Versenkung in Gott und eine disziplinierte, fromme Lebensführung. Das Ergebnis dieses Strebens bezeichnet Al-Gazali später als “Zustand” (Hal) und “Schmecken” (Dhauq). An das Konzept des göttlichen Lichts erinnert die Episode aus Hayy ibn Yaqdhan”, in der dem Protagonisten nach systematischen meditativen Übungen ein Erlebnis des Einsseins mit Gott zuteil wird. Al-Gazali vertritt auch die Position, dass solche Zustände sich der Beschreibung mittels menschlicher Sprache gänzlich entziehen und jeder Versuch dessen gar zur Entstellung und Verfälschung führe. Dementsprechend belässt es ibn Tufail bei der Beschreibung dieser Stelle seiner Erzählung eher bei vagen Andeutungen. Am Ende des siebten Kapitels des Buches heißt es:

“So viele Hinweise kann ich dir in diesem Moment geben über das, was Hayy ibn Yaqdhan an jenem erhabenen Standort geschaut hat. Erbitte nicht von mir, dem in Form von gesprochenen Worten noch mehr hinzuzufügen, denn das ist so gut wie unmöglich.”

Betrachtet man die beiden Autoren Al-Farabi und ibn Tufail, so scheint eine Koexistenz von Religion und Philosophie für beide möglich zu sein, allerdings mit gewissen Einschränkungen. Bei Al-Farabi ist sie sogar ein Charakterzug einer idealen Gesellschaft. Eine Elite von Weisen, die über unverhüllte Erkenntnis verfügen, ist in Al-Farabis “vortrefflicher Stadt” genauso Teil der Gesellschaft wie eine im traditionellen Sinne religiöse Allgemeinheit. An dieser Stelle lohnt auch der Hinweise auf den kompletten Titel des Werkes. Dieser lautet “Die Prinzipien der Ansichten der Bewohner der vortrefflichen Stadt”. Hier ist bereits impliziert, dass nicht alle Bewohner gesichertes und kritisch geprüftes Wissen über die essentiellen Dinge haben, sondern oftmals lediglich “Ansichten” und Meinungen, die jedoch auf höheren Prinzipien beruhen, die aber nur einem kleineren Kreis vollständig bekannt sind.

In “Hayy ibn Yaqdhan” werden die zwei “Erleuchteten”, Hayy und Absal, nicht zu Missionaren und Eiferern, sondern erkennen die Daseinsberechtigung der Religion an und achten sie, ziehen allerdings die Konsequenz, sich von der Gesellschaft abzusondern.

Aus heutiger Sicht scheint uns eine solche Haltung ihrer Zeit voraus zu sein. Die Vorstellung von verschiedenen gültigen Religionen bietet Raum für einen gewissen Pluralismus, den viele intuitiv eher nicht mit der arabisch-islamischen Zivilisation des Mittelalters in Verbindung bringen würden. Andererseits zeigt Al-Farabi, und das noch stärker als ibn Tufail, in seiner stark elitären Sichtweise auch eine klare Präferenz für die Philosophie gegenüber der Religion.

Auch bei Al-Gazalis “Erretter aus dem Irrtum” und “Hayy ibn Yaqdhan” handelt es sich um einander sehr ähnliche Bücher. Während in beiden Werken ein akademischer Duktus vorherrscht, gelingt es sowohl Al-Gazali wie auch Ibn Tufail diesen akademischen Diskurs in eine unterhaltsame Erzählung einzubetten. Die Erkenntnislehre ist nur eines der Themen, das die Autoren behandeln, aber nach meiner Auffassung das auffälligste; wobei es in Al-Gazalis Autobiographie wesentlich präsenter und dominanter ist als in Ibn Tufails umfangreich erzählten Roman.

In den verwendeten Termini und Konzepten, dem Aufbau der Erzählung, sowie in den geäußerten Haltungen zu Streitfragen im Diskurs zwischen Religion, Philosophie und Mystik, zeigen sich die Einflüsse von Al-Gazalis Werk in “Hayy ibn Yaqdhan” besonders deutlich. Al-Gazali ist nicht einfach nur ein Gelehrter und Philosoph unter vielen, dessen Ideen der Roman Ibn Tufails wiedergibt. Er vertritt darin vielmehr, entgegen den Aristotelikern wie Al-Farabi, den Standpunkt der sunnitischen Orthodoxie und der „gemäßigten Mystik“, die sich selbst ein Dogma der Unsagbarkeit aufzuerlegen hat, um sich nicht in widersprüchliche oder häretische Aussagen zu verlieren.

Ibn Tufail scheint in beiden Fragen, der Haltung zur Orthodoxie wie zur Mystik, insgesamt Al-Gazalis Meinungen mehr zugeneigt zu sein, ohne jedoch dessen Konsequenz in der Ablehnung gewisser philosophischer Lehren zu übernehmen. Dies wird zum Beispiel darin deutlich, dass er die Frage nach der Urewigkeit des Universums, in der die orthodoxe Glaubensauffassung diametral der aristotelischen Philosophie entgegensteht, nicht klar beantwortet, bzw. seinen Protagonisten zu keiner endgültigen Antwort kommen lässt.

Die Darstellung der Mystik - und genauer des “göttlichen Lichts” und des mystischen Zustandes/Schauens/Schmeckens - als Erkenntnisquelle ist es schließlich, die es beiden Autoren erlaubt, den oberflächlichen Streit und die augenscheinliche Unvereinbarkeit von rationaler Philosophie und tradierter Religion zu transzendieren.

Von orthodoxen Gelehrten wie Al-Gazali auf der einen und aristotelischen Philosophen wie Al-Farabi auf der anderen Seite wurde ein analoger Disput in den folgenden Jahrhunderten noch weiter ausgetragen, wobei jedoch Vertreter der Philosophie und der traditionellen Religion  als Rivalen sich häufig auch gegenseitig befruchteten. In diesen Kontext ist auch ibn Tufails Roman zu setzen, der ja im 12. Jahrhundert entstand, also etwa 200 Jahre nach dem Tod Al-Farabis und etwa 50 nach dem Ableben Al-Gazalis. Es ist ein Werk, das verschiedenen Ansichten einen Raum bietet und verschiedene Einflüsse in sich vereint. Im fortschreitenden Erkenntnisprozess der Hauptfigur werden sowohl philosophische Ideen versinnbildlicht wie auch Glaubensinhalte aus der islamischen Orthodoxie. Hier sind besonders die Abschnitte über die Mystik hervorzuheben. Es ist damit ein sehr undogmatisches Buch und wegen seines unterhaltsamen erzählerischen Stils eher für ein breiteres Publikum gedacht.

Was wir von Dostojewskij lernen können

Von Hilal Sezgin-Just

Dostojewskij schreitet mit vierzehn weiteren Verurteilten auf den Paradeplatz. Sie alle tragen weiße Leichenkittel und warten auf den sicheren Tod. Drei der fünfzehn Verurteilten wurden bereits an den Pflöcken festgebunden; es werden die letzten Witze erzählt, die letzten Umarmungen werden ausgetauscht, die letzten Blicke. Als sie die finalen Todesschüsse erwarten, passiert etwas Unvorstellbares: Es wird ein Erlass vom Zaren verlesen, wonach die Staatsverbrecher von der Exekution begnadigt und stattdessen zu acht Jahren Zwangsarbeit verurteilt werden. Dieses Urerlebnis der Scheinhinrichtung führte bei Dostojewskij zu einem Sinneswandel, zu einer „Wiedergeburt“, wie er selbst es nannte, die ihn gänzlich verändern sollte.

Fjodor Michailowitsch Dostojewskij gehört zu den beliebtesten und bedeutendsten russischen Schriftstellern aller Zeiten. Seine Romane sind weltweit bekannt und wurden in mehr als 170 Sprachen übersetzt, sein Einfluss auf die Geistes- und Literaturgeschichte ist enorm. Das ambivalente Verhältnis zwischen Dostojewskij und dem russischen Volk macht aus dem Autor einen Schriftsteller, der immer aktuell ist; die Dostojewskij-Rezeption in Russland wandelt sich stets mit der Zeit. Mal gerät er unter Kritik, mal wird er zum russischen Nationalhelden gekürt. Er wurde sowohl von rechten Intellektuellen als auch von den Sozialisten für die russische Sache vereinnahmt: So sah der völkisch-nationalistische Arthur Moeller van den Bruck in Dostojewskij die „russische Geistlichkeit“, die sich gegen das „Westlertum“ wehrt, während die Sozialisten nach der Oktoberrevolution Dostojewskij als „Propheten der Revolution“ auserwählten. Der Slawist Andreas Guski zeigt in seiner Dostojewskij-Biographie, dass dessen Leben auch heute noch erstaunlich aktuell ist. Doch was macht Dostojewskij so besonders?

Dostojewskijs Leben war von Niederlagen und Turbulenzen geprägt.  Er war gefangen zwischen seiner freischaffenden schriftstellerischen Passion und dem Gelderwerb, dem er als Schriftsteller unter Zeitdruck nachkommen musste. Als Sozialist im Kreise der Frühsozialisten wurde er mit 28 Jahren inhaftiert.

Nicht zuletzt basierend auf den Erfahrungen der oben geschilderten Scheinhinrichtung geht Dostojewskij in seinem Roman „Der Idiot“ auf den Urteilsspruch einer Exekution ein und beschreibt diese in eindringlichen Zeilen als schmerzhafter und schrecklicher als jede Foltermethode und jede Tötung.

„Nehmen wir zum Beispiel die Folter; dabei gibt es Schmerzen und Verwundungen, das heißt körperliche Qualen, und daher lenkt dies alles den Gefolterten von dem seelischen Leiden ab, so daß er nur von den Wunden Qualen empfindet bis zu dem Augenblick, wo er stirbt. Aber der ärgste, stärkste Schmerz wird vielleicht nicht durch Verwundungen hervorgerufen, sondern dadurch, daß man mit Sicherheit weiß: nach einer Stunde, dann: nach zehn Minuten, dann: nach einer halben Minute, dann: jetzt in diesem Augenblick wird die Seele aus dem Körper hinausfliegen, und man wird aufhören, ein Mensch zu sein, und daß das sicher ist; die Hauptsache ist, daß das sicher ist.“

Wenn man diese Zeilen liest, versteht man vielleicht ansatzweise, wie es ihm während der Scheinhinrichtung ergangen sein muss und weshalb er sich dem Zaren danach verbunden gefühlt hat: Der Zar wurde zum Vater, der ihm das Leben geschenkt hatte. Dostojewskij erkannte, dass das Leben kein Naturrecht und keine Selbstverständlichkeit ist und versprach, sich dem Zaren, dem russischen Volk und Christus hinzugeben.

Was können wir nun in dieser Angelegenheit von Dostojewskij lernen? Auf den ersten Blick scheint es unvorstellbar, in einer solchen Situation einen derartigen Sinneswandel zu vollziehen und die Scheinhinrichtung dankend als einen gewährten Neubeginn aufzunehmen. Viel eher würde man an seiner Stelle vielleicht Rache schwören und sich seinen Lebtag damit nicht zufriedengeben.

Wir sehen unser Leben häufig als trivial an; wir leben nun mal und glauben das gute Recht zu haben auf ein würdevolles Leben. Daran ist nichts auszusetzen. Allerdings reflektieren wir über unsere Existenz erst in Gefahrensituationen, wenn uns beinahe etwas zugestoßen wäre, oder wenn anderen etwas zugestoßen ist. Wir betrachten das Leben nicht als Geschenk des Schöpfers, das Existenzielle bleibt hängen zwischen Banalitäten und Pflichten im Alltag. Dostojewskij beschäftigte sich lange vor der Freudschen Psychoanalyse mit den Abgründen der menschlichen Seele und lange vor den Existenzialisten mit Existenziellem. Er befasste sich mit Gott, mit menschlichem Leid, Einsamkeit und Sinn. Er kämpfte schon damals gegen die Zweifel des zerstörerischen Nihilismus an und seine Werke sind aus diesem Grund gerade heute immer noch mehr als aktuell.

 „Von mir selbst möchte ich Ihnen sagen, dass ich ein Kind des Jahrhunderts bin, ein Kind des Unglaubens und des Zweifels […]. Bewiese mir jemand, dass Christus jenseits der Wahrheit steht, und stünde die Wahrheit tatsächlich außerhalb von Christus, dann möchte ich lieber mit Christus sein als mit der Wahrheit.“

Vom Ende der Einsamkeit

Von Hilal Sezgin-Just

“Wir sind von Geburt an auf der Titanic. Wir gehen unter, wir werden das hier nicht überleben, das ist bereits entschieden. Nichts kann das ändern. Aber wir können wählen, ob wir schreiend und panisch umherlaufen, oder ob wir wie die Musiker sind, die tapfer und in Würde weiterspielen, obwohl das Schiff versinkt."

„Vom Ende der Einsamkeit“ ist ein Roman von Benedict Wells und ist 2016 im Diogenes Verlag erschienen.

Der Buchtitel ergreift mich sofort, da ich mich seit meiner Kindheit mit dem Thema der Einsamkeit konfrontiert sah; als Einzelkind mit alten Eltern, die jederzeit sterben konnten. Mit einem Unbehagen und einer hohen Anspannung beginne ich das Buch zu lesen; und lasse es bis zum Ende des Buches am selben Tag nicht los. Der Roman erzählt von drei Geschwistern - Jules, Marty und Liz Moreau - die in einem sehr jungen Alter ihre Eltern bei einem tragischen Autounfall verlieren und seitdem auf sich alleine gestellt sind. Es ist ein Roman, der von Trauer, Lebensmut, Hoffnung, Angst und vom Existenziellen handelt. Von allem Menschlichen also, ohne Details auszusparen; in einer erzählerischen Dichte, die das Innerste erfüllt. Der Leser begibt sich in die Welt des 10-Jährigen Weisenkindes Jules und begleitet ihn in seiner Biographie, in seinem Werdegang zum Mitte-Vierzig-Jährigen Vater von Zwillingen, der auf sein Leben blickt und seine zeitlosen Wunden mit dem Schreiben, der Ästhetik und mit Träumen zu heilen versucht. Kann ein Mensch sich von einem solchen Schicksalsschlag jemals erholen? Wie frei kann er sich mit der Last der Erinnerungen bewegen? Werden ihn die Gespenster der Vergangenheit irgendwann einholen? “Eine schwierige Kindheit ist wie ein unsichtbarer Feind: Man weiß nie, wann er zuschlagen wird.”

In einer meisterhaften Sprache gelingt es Wells, den Leser durch literarische Rückblenden in Jules zaghaften Umgang mit dem Tod und den zwanghaften Erinnerungen, in seine hoffnungsvolle Reise zu einem besseren Leben zu begleiten; Jules Ängste und Träume werden während der gesamten Lektüre zu den unseren. Alle drei Geschwister haben einen unterschiedlichen Umgang mit dem Schicksalsschlag, doch jeder von ihnen wird davon früher oder später heimgesucht. Sie erleben die Tragik, vor der ich mich in meiner Kindheit am meisten fürchtete. Unglaublich nah fühle ich mich mit Jules verbunden und zittere am ganzen Leib, als er einen zweiten Schicksalsschlag erleiden muss.  Ich versetze mich ein weiteres Mal in seine Lage und spüre einen Kloß im Hals. Ich muss aufhören zu lesen, doch die Tränen haben mich bereits im Griff. Wells hat einen Roman geschaffen, der einen nicht loslässt und unsere Ängste berührt, die wir tagtäglich umgehen, indem wir konsumieren und uns ablenken – wenn wir alleine sind und den Fernseher anschalten, beim scrollen der Timeline oder beim Musikhören; um bloß nicht nachzudenken. Ich muss das Buch zur Seite legen, aber die Gedanken verbleiben in mir. Wells zwingt mich förmlich, die innere Stimme auszuhalten und; ich lasse sie gewähren. Die Dunkelheit, die vor den Fenstern liegt, der Nachthimmel, der den kalten November überschattet, kriecht sich in meine Seele ein, durchdringt mich und bereitet Seelenschmerz. Zu meinem Erstaunen fühle ich mich beruhigt und befreit und lasse das Gespenst namens Angst zu; und damit auch los – ich lasse mich fallen. In Gottes Hände. Denn dort ist das Ende der Einsamkeit.

Der wahre Geschmack der Speise

Von Salim M. Nasereddeen

“Wer den wahren Geschmack seiner Speise kennt, kann nie ein Vielfraß sein; wer es nicht tut, kann nichts anderes sein.” -Henry David Thoreau

So schrieb der amerikanische Schriftsteller und Philosoph Henry David Thoreau in seinem wohl bedeutsamsten Werk “Walden oder Leben in den Wäldern”. Walden ist ein sonderbares Buch in dem sich die Geisteswelt eines sonderbaren Autors offenbart. Konstant in seinem zivilisationskritischen Ansatz ist es eine Mischung aus Tagebucheinträgen, zahlreichen Naturbeschreibungen und philosophischen Abhandlungen, sowohl über das dem Menschen ureigene Wesen, als auch zum Zeitgeschehen zur Mitte des 19. Jahrhunderts, damals vor Allem geprägt von der sich mehr und mehr anbahnenden Industrialisierung. Thoreau entschied sich, im Jahre 1845 für etwa zwei Jahre in einer selbstgebauten Blockhütte in einem Waldstück am Walden Teich in Neuengland autark und fernab der Zivilisation zu leben. Das Gewässer verlieh dem in dieser Zeit entstanden Buch seinen Namen. Was augenscheinlich nach einem Projekt zur Weltentsagung und -flucht klingen mag, wurde vom Autor selbst und seinen Rezipienten anders, wesentlich weiter gedeutet. Vielmehr wollte sich Henry David Thoreau in der Entrücktheit und Abgeschiedenheit der Wälder auf der Suche nach dem “wahren Leben” begeben. So heißt es an einer anderen Stelle:

“Ich wollte tief leben, alles Mark des Lebens aussaugen, so hart und spartanisch leben, dass alles, was nicht Leben war, in die Flucht geschlagen wurde.“

Eine Bedingung für dieses Anliegen, neben der Genügsamkeit, tritt in Walden immer wieder deutlich ans Tageslicht: Das achtsame, feinfühlige und bewusste Beobachten und Erleben. Kaum einen Aspekt menschlichen Daseins und der zeitgenössischen Kultur des Autors entzieht sich seiner Betrachtung. So auch nicht das Thema der Ernährung. Zuweil muten Thoreaus Einträge an wie energische Pamphlete gegen die Grobschlächtigkeit und Impulsivität, kurz, gegen das unachtsame Daherleben - auch wenn es ums Essen geht.

Das obige Zitat leitet einen solchen Absatz in Walden ein. Was aber kann damit gemeint sein, “den wahren Geschmack seiner Speise” zu kennen? Die Gier, und präziser, der unbändige Appetit sei es, der den menschlichen Körper verunreinige, nicht die Speise per se. Nur wenn das Geschmackserlebnis imstande ist, den Geist zu wecken, um neben dem animalischen auch das intellektuelle Leben zu erhalten; nur dann dienen uns die Speisen zu mehr als “als Fraß für die Würmer (...), die uns einst beherrschen werden.”.

Den Geist zu wecken und das intellektuelle Leben zu erhalten, darin besteht für Thoreau der Genuss und die Befriedigung an der Speise, an der der rohe Appetit keinen Anteil hat. Das bedeutet es, den wahren Geschmack seiner Speise zu kennen.

Wenn es niemals neu war und niemals alt wird.

Von Salim M. Nasereddeen

Leidenschaft kann in der Tat Leiden schaffen. Eine Inszenierung von den zwei Großmeistern der Filmsprache Joel und Ethan Coen aus dem Jahre 2013 führt uns den Gehalt dieses Wortspiels auf geradezu kathartische Weise vor Augen.

“Inside Llewyn Davis” ist eine Geschichte des Scheiterns. Erzählt in tragisch-komischen Bildern mit einer auf charakteristischer Weise verworrenen Storyline, die einen als Zuschauer wahrhaft fordert. Nur allmählich entlockt man den sich entfaltenden Ereignissen das eigentliche “Thema”, die urmenschliche Grundfrage an das Leben, um die sie kreisen. Ein mehrmaliges Schauen lohnt allemal; und letztlich scheinen sich die Filmemacherbrüder doch nicht ganz in die Karten blicken zu lassen.

Der Protagonist und Titelheld Llewyn (Gesprochen “Lue-N”) Davis ist ein leidenschaftlicher Folkmusiker. Ein Künstler, dem es ernst ist mit seiner Musik. Dem Genie des von Oscar Isaac phänomenal verkörperten Davis kann man sich schwer entziehen. An seiner Begabung wird kein Zweifel gelassen. Und dennoch scheitert er immer und immer wieder. Er ist praktisch obdachlos und kann sich für den strengen Winter in New York kaum wetterfeste Kleidung leisten. In den mehr und mehr kläglichen Versuch, sich eine Solokarriere aufzubauen wurde er eher von tragischen Umständen hinein gezwungen. Als Duo mit seinem Partner verbuchte er erste Erfolge, bis dieser sich von einer Brücke stürzte. Und so begibt sich der gebrochene Llewyn auf eine Odyssee durch die Folkmusikszene. Von Couch zu Couch, oft eher als geduldeter denn gebetener Gast, und später auch quer durch die Staaten.

Der Zeitpunkt der Handlung, das Jahr 1961, ist nicht zufällig gewählt. In diesem Jahr soll Bob Dylan die große Weltbühne betreten. Ein ehrgeiziger Visionär, der die alten Klassiker der Folkmusik in die Popkultur integriert; in gewisser Weise der “Ur-Singer-Songwriter”. Hingegen steht Llewyn Davis für den Typus des dogmatischen und stolzen Künstlers, der sich seines Talents sehr bewusst ist, für die Tradition seines Genres brennt und aus dieser Perspektive zahlreiche unauthentische Auftritte und Interpreten belächelt. Und doch ist er es, der auf der Strecke bleibt. Davis ist nicht unbedingt ein sympathischer Charakter, dem man in seinem Kampf das Beste wünschen will. Die ihm entgegenschlagenden Gemeinheiten der Mitmenschen spiegelt er auf ebenbürtige Weise. Es ist eine Rolle, die nicht über Sympathie “funktioniert”, und dennoch eine, in deren Zügen wir uns alle irgendwie wiedererkennen. Zum Ende hin, so gesteht er seiner ehemaligen, offenbar nicht ganz überwundenen Liebschaft, ist Llewyn einfach nur “müde”. Und zwar auf einer solchen Ebene, dass es für ihn mehr bedarf als eine Nacht guten Schlaf. Die Ermüdung und Erschöpfung scheint als Charakterzug in ihn eingegangen zu sein. Getrieben von seiner Leidenschaft hat ihn die Hetzjagd nach seiner Bestimmung gezeichnet. Und beständig kriegen wir den Eindruck, dass Llewyn Davis im Grunde nicht anders kann. Dass ihm schon lange nichts mehr als die Flucht nach vorne bleibt. Alternative Lebensentwürfe kriegt er an den verschieden Stationen seiner Reise einige präsentiert. Da gäbe es die karriereorientierten, drogensüchtigen, opportunistischen, unterwürfigen Künstler. Da gäbe es seinen Vater, senil im Altersheim dahinvegetierend, der auf eine beträchtliche Karriere in der Handelsmarine zurückblickt, in Llewyns Worten zeit seines Lebens jedoch lediglich “existierte”. Auch wenn er aus der Not andere Optionen erwägen würde: Llewyn Davis scheint seinem vorgezeichneten Weg nicht zu entkommen.

Auch im wortwörtlichen Sinne jagt er jemandem hinterher, und zwar über den gesamten Plot hinweg. Es ist die Katze eines befreundeten Ehepaares, der Gorfines, die seine Musik schätzen und ihn fördern. Als er mal wieder irgendwo unterkommen musste, geht er morgens aus der Wohnung der Gorfines, wobei das Tier aus der Haustür stürmt und von da an immer wieder (vermeintlich?) auftaucht. Über den wunderbar eingebetteten Erzählstrang rund um “die Katze” sei an dieser Stelle nicht zu viel verraten; auch scheinbare Details wie der später enthüllte Name des Haustieres tragen zu diesem zeitlosen, ja geradezu transformierenden Potential des Filmes bei.

Der Großteil dieses Potentials wird jedoch aus der Musik geschöpft. In den meisten gezeigten Auftritten hören wir die entsprechenden Songs in voller Länge. Die gesungenen Worte sind in aller Regel nicht die der Interpreten. Typischerweise sind Stücke folkloristischer Musik in hohem Maße losgelöst von Individuen. Sie sind damit eine Art Allgemeingut. In ihrer Botschaft gereift und gewachsen über Generationen und manchmal Jahrhunderte hinweg. Kein Wunder, dass die Völker in früheren Zeiten den Ursprung ihrer tradierten Musik (und anderer Künste) wie selbstverständlich in den himmlischen Sphären verorteten. Sie scheint irgendwie immer da gewesen zu sein.

Nach einem Auftritt in einer Folk-Bar, in der wahrscheinlich ständig tragisch-hoffnungsvolle Musiker der Kategorie “Llewyn Davis” auftreten und ihr Glück versuchen, wendet sich der Protagonist direkt an sein ergriffenes Publikum: “Den hier habt ihr wahrscheinlich schon mal gehört. Was nie neu war und nie alt wird nennt man Folksong.”. Es ist die Anfangsszene von “Inside Llewyn Davis".

Stufen

von Hilal Sezgin-Just

Stufen von Hermann Hesse war für mich stets die Schulter, die ich zum Weinen brauchte, um schließlich „Lebewohl“ sagen zu können; Stufen war der positive, melancholische Ausdruck von dem Leid, das ich bei jedem Abschied gefühlt – und lieben gelernt hatte. Denn die Welt war eine Welt von Trennungen. Niemand verweilte an einem Ort für immer und ich hatte lange gebraucht, um mich mit dem Gedanken abzufinden, dass es gut so ist. Es war gut so, wie es war. Denn für keinen Menschen war diese Welt ewig, keine Minute endlos und kein Ort bedingungslos.

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.

Für jeden Weg, den der Mensch geht und gehen muss, gibt es einen Sinn, den ausschließlich Gott kennt; keine Reise ist Zufall, kein Abschnitt vergebens – ausnahmslos jede Lebensstufe ist ein Pinselstrich auf einem großen Gemälde, das nur Gott kennt und das wir mit Seinen Farben malen. Wir alle sind Künstler fi-lillah, um Allahs Willen. Jeder Lebensabschnitt macht uns zu dem Menschen, der wir sind, jede Entscheidung, jede Trennung komplettiert das Gemälde – mal drückt sie sich in Grau- und Schwarztönen aus, mal sind es bunte Farben, die das Bild schmücken; und erst in dem Wissen um die Grau- und Schwarztöne, die es in jedem Leben gibt, wird die bunte Färbung so wertvoll und so erhaben. Sie alle haben ihren Platz in diesem Bildnis und zeichnen das Kunstwerk aus, das Gott erschuf; die Schönheit der Schöpfung mit ihrer Imperfektion, denn gewiss ist die einzige Perfektion Gott selbst. Und keine Zeit ist ewig, denn ewig ist nur Gott.

Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.

Jeder Mensch, der sein Leben lässt, öffnet eine Tür für eine weitere Neugeburt; nicht nur er wird bei Gott neu geboren, auch hinterlässt er seinen Platz für einen anderen. Sein Bild ist bereits gemalt, der letzte Graustich gezogen und nun ist Platz für ein neues Kunstwerk.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Abschied ist nicht für immer, denn die entwichene Seele ist bei Gott, zu Dem wir schließlich alle zurückkehren und bei Dem sich alle versammeln; sie wirkt allerdings auch in uns Noch-Lebenden, als Pinselstrich im Kunstwerk unseres eigenen Lebens. Denn unser Lebensbild trägt den Reliefabdruck der Verstorbenen und lässt sie so weiterleben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf´ um Stufe heben, weiten.

Kein Menschenkörper ist ewig, keine Heimat permanent, um sich an sie zu fesseln. Die einzige Konstante ist der Schöpfer, der uns auf jede Stufe, wie steinig sie auch sein mag, folgt und begleitet und hebt. Wenn die Heimat Gott ist, führt jeder Weg zu Ihr; auch der Tod.

Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen;
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Bewegen muss sich der Mensch, sich bemühen und nützlich machen, sich entwickeln. Jeder Pinselstrich erfordert eine Leistung und mit jedem Schwung wird das Werk kunstvoller. In Gottes Weg muss der Mensch laufen und diesen stets hinterfragen; Wo stehe ich? Wo bin ich? Was für ein Mensch bin ich? Wo will ich hin? Wer sich ausruht und meint, angekommen zu sein, ist nicht wirklich angekommen, denn wer ankommt, ist bereits tot.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden,
Wohlan denn Herz, nimm Abschied und gesunde!