Sprachlosigkeiten

Von Leonard Sezgin-Just

Kalte Tage reihen sich aneinander hin,
der Rücken schmerzt.
Es wird sich über Zugverspätungen unterhalten.

Anderes gibt es nicht mehr zu sagen,
nichts weiter rührt sich
von den Lippen der Menschen.

Ich bitte die Menschen, sich mir zu regen,
doch der Blick huscht zurück
in das Innere des Schädels,
das wie ein Winterfuchsbau
die menschliche Verunsicherung hütet.

Ein Geruch von kaltem Kaffee
täuscht über die Gesichter hinweg,
die durch die Wände zu entweichen scheinen.

In der U-Bahn schreit ein Baby auf und
zwischen sich verdüsternden
Gesichtszügen der Menschen in
der Enge des Wagons offenbart sich einem,
nur für einen Moment, die Täuschung:

dass es nicht das Kind ist, das hier schreit.

Die Gräue der Bürgersteigs-Betonplatten
liegt willenlos dahin,
aufgehört habend zu fragen,
welche Geschichten über sie getragen werden.

Nur auf einen so kleinen Funken
warten die Menschen, auf einen Wink
des missgelaunten Busfahrers,
der sie in ein anderes Leben einlädt.

Sie warten an den ergrauten Haltestellen,
sich einander durch die herabhängenden
Mundwinkel ihrer Komplizenschaft versichernd.
Drunter ein verstohlenes Lächeln.