Heimatland

Von Leonard Sezgin-Just

Seit dem Anbeginn meines Erfragens
war mir Heimat etwas Nie-Gefasstes,
ein Geheimnis – alte Weidegründe bargen’s –
ein Zu-Helles, etwas Traumbildhaftes.

Ich wusste stets, dass dieser Ort besteht,
dass weiche Sonne ihn umschmiegt;
es schien mir all dies nur wie fortgeweht,
oder als ob noch Staub darüber liegt.

Die Reinheit zweier Kinderaugen
hatte noch klare Sicht aufs Heimatland;
brauchte Geschichten nicht zu glauben,
die ihnen raunten, wo die Heimat stand.

Für sie war Heimat in den Dingen,
fraglos vorhanden, einschmiegsam;
kein Verlust, kein Aus-sich-Dringen,
ganz einfach, und doch wahrheitsam.

Wenn das Schweifen weltgereiften Blickes
nun die Konturen seiner Heimat wahrt,
bekriecht den Grübelnden ein stets missglücktes
Fliehen-Wollen aus der Gegenwart.

Doch hör ich ins Innre, weiß ich:
Hier ist Heimat, hier und jetzt;
ein Streben, das sich tief befleißigt,
im Hier zu sein, so unverletzt.

Von Leonard Sezgin-Just